Titanic-Cover vom April – Keine religiöse Verunglimpfung

Vor einer Weile (wir berichteten) verursachte das Cover des Satiremagazins Titanic großen Wirbel – darauf abgebildet war nämlich ein Priester, der vor dem gekreuzigten Jesus kniet, in eindeutiger Position bzw. Haltung. Als Titel stand darunter „Kirche heute“. Viele Menschen fühlten sich durch diese Darstellung in ihren religiösen Gefühlen verletzt und auch christliche Vereine gingen auf die Barrikaden. Insgesamt gingen damals rund 200 Beschwerden beim Presserat ein, die insbesondere die Ziffer 10 des Pressekodex verletzt sah. Ziffer 10 lautet “Die Presse verzichtete darauf, religiöse, weltanschauliche oder sittliche Überzeugungen zu schmähen.”

Glücklicherweise ist die Satirezeitschrift nun vom Deutschen Presserat freigesprochen worden, mit der Begründung, dass die Karikatur „lediglich eine zugespitzte Darstellung eines gesellschaftlichen Missstandes innerhalb der Institution Kirche sei“. Immerhin „sei es die Aufgabe der Satire, Diskussionen einer Gesellschaft so aufzugreifen, dass diese pointiert und manchmal auch an Grenzen gehend darstellt“. Auch die Vorsitzende des Ausschusses Ursula Ernst ist der Meinung, dass nicht Jesus oder der christliche Glaube verhöhnt, sondern vielmehr das Verhalten christlicher Würdenträger kritisiert wird.

Und genau das bringt es auch auf den Punkt. Zumal die Titanic schon des öfteren streitbare Themen aufgreift und es bestimmt auch nicht das erste Mal ist, dass man dabei auch mit Absicht in Wespennester sticht. Ist es nicht genau das, was unserer Medienlandschaft fehlt? Sonst hört man doch eh immer nur dasselbe. Eine Frage bleibt am Ende dann aber doch noch – ob sich die selben Leute wohl auch so aufgeregt haben, als vom vielfachen Missbrauch unschuldiger Kinder durch geistliche Würdenträger berichtet wurde?

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