Über Doppelmoral und Scheinheiligkeit

© TITANIC

Gleich vorweg sei mal erwähnt, dass es den folgenden Zeilen vielleicht ein wenig an Objektivität fehlt – aber vielleicht bin ich ja auch nicht die einzige Person, die sich maßlos über die Reaktion der katholischen Kirche zu den nach und nach enthüllten Missbrauchsfällen durch Pater, Pfarrer, Bischöfe, Nonnen und andere „Geistliche“ aufregt.

An einem Ort, an dem man seine Kinder und Lieben eigentlich sicher wähnt, kam es zu den übelsten Demütigungen und Missbräuchen und die Opfer, die heute schon zum Teil über 50 oder sogar 60 Jahre alt sind, sind immer noch gezeichnet von den Vorfällen, die teils viele Jahrzehnte zurück liegen. Nie konnten sie in dieser langen Zeit vergessen, was ihnen damals angetan wurde – von Menschen, denen sie gnadenlos ausgeliefert waren und die von sich behaupten, besonders vorbildlich und menschenfreundlich zu sein.

Und als wäre das alles noch nicht schlimm genug, zeigen sich die Vertreter der Kirche und das katholische Oberhaupt der Papst wenig beeindruckt von diesen Geschehnissen. Vereinzelt gibt es vielleicht Kirchenleute, die ansatzweise eine solche Reaktion zeigen, wie man sie von einem normalen Menschen erwartet, größtenteils fühlen sich die Reaktionen und Äußerungen der Kirchenleute jedoch an wie ein Schlag ins Gesicht – und das selbst dann, wenn man selber gar nicht direkt von diesem Leid betroffen ist.

Und während in diesen Tagen Verständnislosigkeit, Wut und Ohnmacht vorherrscht, was diese Vorfälle und Reaktionen angeht haben sich die Macher des Satiremagazins TITANIC daran gemacht, ein schönes Cover für die April-Ausgabe zu entwerfen – das Cover zeigt Jesus am Kreuz und wie in eindeutiger Position ein Priester, Bischof oder Pater oder wie auch immer die Kirchenleute mit dem roten kleinen Mützchen heißen – vor ihm kniet. Und die Empörungsrufe ließen natürlich auch nicht lange auf sich warten, von allen (christlichen) Seiten hört man Gotteslästerung! Blasphemie! Grenzüberschreitung! und so weiter und so fort. Und das muss man sich mal genau vor Augen halten – solch eine Empörung wegen einem Blatt Papier!! Es ist zu bezweifeln, dass die Empörung dieser verschiedenen Vereine und auch nur ähnlich groß war, als sie von den Missbrauchsfällen gehört haben… da stellt sich dann doch immer öfter mal die Frage, in was für einer Welt wir eigentlich leben.

Mehr zu diesem Thema findet man auch hier.

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