


Der Buddhismus
Als Lehrtradition und Religion mit weltweit etwa 375 Millionen Anhängern geht der Buddhismus auf das Wirken von Siddhartha Gautama zurück, des historischen Buddhas, der im 5. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien lebte. Siddhartha Gautama ( 563 v. Chr. bis vermutlich 483 v. Chr.) kam der Überlieferung nach als Prinz im lokalen Adelsgeschlecht der Shakya in Lumbini, im nordindischen Fürstentum Kapilavastu, zur Welt. Mit Mitte Dreißig soll er Erleuchtung erhalten haben und wurde in der Folge als Buddha bezeichnet. Ethisches Verhalten, die Kultivierung der Tugenden, die Praxis der „Versenkung“ (Meditation) und die Entwicklung von Mitgefühl und Weisheit sind für einen Buddhisten wichtige Prinzipien, um durch Erleuchtung den Zustand des Nirvana zu erreichen. Buddha gab sich weder als Gott noch als Überbringer einer göttlichen Lehre. Er lehrte Meditation als Einblick in und Verständnis für die Natur des eigenen Geistes und die Natur aller Dinge. Die von ihm gewonnenen Einsichten könne jeder erlangen, der seinen Lehren und deren Methodik folge. Gegenüber dem geschriebenen Wort oder feststehenden Lehren zeigte er eine Skepsis, die in anderen Religionen kaum derart radikal anzutreffen ist.
Buddhisten glauben an das „beständige Wandern“, den fortlaufenden Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt, Werden und Vergehen. Diesen Kreislauf zu verlassen, ist Ziel des buddhistischen Daseins und umfasst alle Ebenen der Existenz. Die Wiedergeburt wird im Buddhismus also nicht als „Seelenwanderung“ (Transmigration) verstanden, sondern als eine Wiederholung der Geistesprozesse einer noch nicht erloschenen mentalen Kraft; sie manifestiert sich in einer oder mehreren neu in Erscheinung tretenden Existenzen wieder und wieder. Insbesondere im Westen entwickelte sich der Buddhismus für seine Anhänger zu einer Weisheitslehre und Philosophie, die den Glauben an eine andere Religion bzw. Weltanschauung nicht ausschließt. Der Buddhismus besitzt sehr viele religiöse Ausprägungen, die sich traditionell bedingt in vielen Dingen unterscheiden: Ritualen, Gemeinschaften, Liturgie, Seelsorge, Askese, Mönchtum und Mystik. Die moralischen Positionen der buddhistischen Lehre und des konfessionellen Christentums gleichen einander oftmals in Fragen rund um Macht, Ethik und Glauben.